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Reif für die Insel - Artikel im ROTORBLATT, Ausgabe 03/2011
Transskription des Artikels "Reif für die Insel" von Caterina Heßler, erschienen am 01.07.2011 im ROTORBLATT, Ausgabe 03/2011
Reif für die Insel
Wasser, Strand, Abenteuer-für viele Deutsche ist Mallorca die Urlaubsinsel schlechthin, für manche ist sie Arbeitsplatz, Die Crew der Rotorflug International lebt den Traum vom Fliegen in der Sonne des Südens
Es sind Bilder, die wohl jeden Piloten neidisch machen: Kleine Quellwolken zieren den stahlblauen Himmel, am Horizont erstrecken sich die Berge von Mallorca und vor dieser traumhaften Kulisse donnert eine Bell 206 über das azurblaue Mittelmeer.
Es ist die Idee von Frank de Vries, auf der Ferieninsel ein Hubschrauberunternehmen zu gründen. Im Jahr 2004 hat es den gebürtigen Rheinländer auf die Balearen verschlagen. Da es hier kaum eine Firma gibt, die Hubschrauberflüge für Touristen anbietet, wittert Frank seine Chance und macht kurzerhand sein Hobby zum Beruf. Nachdem er der Passion Fliegen bereits als Privatpilot nachgeht, erlangt er 2009 „noch schnell den CPL“, wie er schmunzelt, und sucht ein kompetentes Partnerunternehmen, um seine Idee umzusetzen. Dieses findet er in der Rotorflug GmbH. Im August 2009 wird die Rotorflug Helicopters SL gegründet.
Eine Flotte, die jedem etwas bietet.
Mallorca hat für den deutschen Piloten einen ganz besonderen Reiz: „Wir haben hier 330 Tage im Jahr schönstes Flugwetter, abwechslungsreiche Landschaften, traumhafte Außenlandeplätze und weniger Restriktionen als in Deutschland“, erklärt Frank de Vries. Mit der D-HDJP, einer Robinson R44 Raven II mit Popout Floats (Schwimmern), kommt alsbald der erste Hubschrauber des jungen Unternehmens auf die Insel und wird nahe dem Flughafen Palma de Mallorca stationiert. Schnell zeigt sich, dass Touristen und Einheimische das Angebot für Rundflüge gerne annehmen. Auch die Nachfrage nach der Pilotenschulung wächst und so werden nach und nach noch die Robinson R44 Raven I D-HYPE und die Bell 206 Jet Ranger D-Hony in die Flotte integriert. Später stößt mit der D-HOTT auch ein Bell 206 LongRanger zum Flugpark dazu.
Wer seinen Traum von der Pilotenlizenz auf Mallorca erfüllen will, den erwarten bei Rotorflug ähnliche Kosten wie in Deutschland. Frank de Vries erzählt: „Die Landegebühren sind hier etwas günstiger, sonst nehmen sich die Preise nicht viel. Hinzu kommen noch die Kosten für ein Hotel oder eine andere Unterkunft sowie der Flug zur Insel. Die Schulung erfolgt nach Regularien des deutschen JAR-FCL, sodass eine Umschreibung der Lizenz nicht notwendig ist.
Besonders für Piloten, die bereits im Besitz einer Privatpilotenlizenz sind, eröffnen sich in Palma neue Möglichkeiten. „Wir fokussieren uns im Moment hauptsächlich auf fertige PPLer (also solche, die schon einen Schein haben), die ein bisschen trainieren wollen. Dazu gibt es hier perfekte Möglichkeiten. Es gibt ja neben Strand und Meer eben auch das schöne Tramuntanagebirge. So wird einem hier fliegerisch eine Menge geboten“, erklärt Frank und ergänzt: „Es gibt zahlreiche Außenlandeplätze, etwa an Hotels, Restaurants, Golfplätzen, im Gebirge, an Fincas und anderen-nur direkt am Strand dürfen wir nicht landen. Hier kann man fliegen, wie man sich das eigentlich wünscht, und muss nicht immer nur von Flugplatz zu Flugplatz hüpfen“ Wer wieder etwas mehr Praxis im Flugfunk erlangen will, der kann zum Beispiel am Verkehrsflughafen von Palma landen oder ihn kreuzen, Verfahren, die in Deutschland nicht an allen großen Flughäfen mit hohem Verkehrsaufkommen gern gesehen sind. Besonders spannend für viele Piloten ist es, die klimatischen Limits ihrer Maschine auszureizen. Die höchsten Erhebungen auf Palma sind 4000 Fuß, wer hier bis auf circa 6000 Fuß fliegt, kommt bei den hohen Temperaturen und der tropischen Feuchte rasch an die Grenzen seines Hubschraubers. Eine gute Möglichkeit, um zu lernen, was Pressure Altitude/ Density Altitude eigentlich im wahren Leben bedeuten.
Wer in Spanien seinen PPL erlangen will, kann dies natürlich auch tun. Die eigentliche Ausbildung zum Privatpiloten PPL(H) ist eine kombinierte Ausbildung, die unter deutscher Aufsicht erfolgt. Letztlich wird der Schüler in Deutschland bei der Rotorflug GmbH angemeldet, absolviert dort auch all seine Theorie-Sunden sowie die Prüfungen. Der erste Teil der praktischen Ausbildung (bis zur Soloreife)-erfahrungsgemäß 20-30 Stunden- findet dann auf Mallorca statt. Solostunden und die Überland/Navigationsflüge werden wieder in Deutschland (Egelsbach) geflogen. Auch die praktische Prüfung wird hier abgelegt. Wer auf Mallorca sein Typerating absolvieren möchte, für den stehen in Palma die Muster Bell 206 und Robinson R44 bereit.
Für ihre Kunden und Flugschüler bietet die Firma auch schon mal einen ganz besonderen Service an. „Einen unserer Flugschüler haben wir morgens immer direkt am Hotel abgeholt-das war für ihn ein ganz besonderes Erlebnis“, erzählt Frank de Vries. Besonders interessant ist die Tatsache, dass man auf Mallorca fast rund um die Uhr das ganze Jahr fliegen kann. „Wenn in Deutschland im Winter nichts läuft, bietet sich die Insel quasi an.“ Im Sommer, wenn es auf den Balearen eher warm ist, wird das Fliegen auch schon einmal anspruchsvoller. Der Berufspilot erklärt uns: „Wenn es hier 38 Grad sind, hohe Luftfeuchtigkeit herrscht und die Maschinen voll beladen sind, kommt man leicht an die Limits. Ordentliche Betankungsplanung ist dann wichtig.“ Neben den klimatischen Bedingungen macht vor allem das Gelände Mallorca zu einem Highlight für Piloten. Zwar sind auch in Spanien gewerbliche Passagiertransporte mit einmotorigen Maschinen über Wasser nicht gestattet, private Flüge und vor allem auch die Schulung sind aber über dem Mittelmeer möglich und stellen ein besonderes und unvergessliches Erlebnis dar. Übrigens sind derzeit nur 10 Prozent der Rotorflug-Kunden Spanier, die restlichen Prozente werden in aller Regel von Touristen abgedeckt. Da es auf der Insel quasi keinen direkten Konkurrenten gibt, sieht Frank de Vries aber einem stetigen Wachstum entgegen: „Die Spanier haben wenig Stress mit unserer Anwesenheit und freuen sich eher, dass jemand das Thema Heli anbietet.“
Für jeden ist etwas dabei
Im Moment liegen die Hauptaktivitäten bei den Rundflügen und den Erlebnisflügen wie Heli-Lunch, Heli+Wein, Heli Wellness für Touristen. Ein weiteres großes Thema auf der Insel sind Film-/Fotoflüge. „Wir haben dieses Jahr schon 30 Filmaufnahmen gemacht für diverse Produktionsfirmen, die für das deutsche und spanische Fernsehen produzieren“, erklärt Frank de Vries.
Und übrigens, wer mit seiner Familie nach Palma reist, um dort an seiner Ausbildung zu feilen, für den gibt es bei Rotorflug auch Hilfe. „Wenn der Vater fliegen möchte, die Frau aber lieber einen Wellnassurlaub genießen will und die Tochter partout reiten lernen möchte, dann haben wir auch eine Lösung-mittlerweile kooperieren wir mit vielen Hotels und Anlagen hier, sodass wir auch Familien ein Komplettpaket vermitteln können“, sagt Frank.
Fliegen auf Mallorca ist eben ein ganz besonderes Erlebnis-auch, wenn nicht jeder gerne in die Luft gehen will.










